Unsichtbare Spuren in der Erpe


 

 

 

Unser Referent, Jonas Scharper, Doktorand am Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), berichtete über die Forschungsergebnisse seines Teams bei der Untersuchung von Sedimenten in der Erpe und ihrer Randgewässer.


Die Erpe als Forschungsgegenstand

 

Der Fluss besteht im Untersuchungsgebiet unterhalb der Heidemühle zu 60 bis 80 % aus geklärtem Abwasser. Das Klärwerk Münchehofe ist nach Schönerlinde im Norden Berlins das zweitgrößte Klärwerk der Hauptstadt. Hier kommen die Abwässer von über 300 Tsd. Einwohnern zusammen und werden in drei Reinigungsstufen (mechanische-biologische-chemische) geklärt.

 Anthropogene Spuren aus Medikamenten werden durch den Klärwerksprozess in den meisten Fällen nicht beeinflusst und gelangen unverändert in den Einleiter und nachfolgend in die Erpe. Eine sogenannte 4. Reinigungsstufe ist in Erprobung und soll in Deutschland in den größten Klärwerken, wozu auch die Berliner Klärwerke zählen, im Zeitraum bis ca. 2022 eingeführt werden. Schweden und die Schweiz sind die einzigen Europäischen Länder mit Klärwerken der 4. Reinigungsstufe.

 

Untersuchungen:

um die Selbstreinigungskraft des Fließgewässers zu untersuchen, wurden verschiedene Stoffe an unterschiedlichen Stellen im Fluss und seinen Sedimenten beprobt.

Ausgewählt wurden u.a.:

-Diclofenac (Schmerzmittel)

-Metoprolol (Bluthochdruck)

-Sartane (Bluthochdruck und Herzschwäche)

 

Ergebnisse:

-die Konzentration schwankt nach Tageszeit, Wochentag und Wasserstand

-die Wirkstoffe bauen sich nach dem Durchlauf durch die Flusssedimente in unterschiedlichem Umfang ab

-die Reinigung erfolgt mechanisch und durch Kleinstlebenwesen

-Sauerstoff (der Sauerstoffgehalt des Wassers und der Sedimente/des Bodens) spielt eine entscheidende (positive) Rolle

-manche Stoffe verwandeln sich chemisch in andere (neue Verbindungen), die dann ebenfalls in die Untersuchung einzubeziehen sind

-im unmittelbar benachbarten Grundwasser (bis zu 20m Entfernung querab vom Fluss und in bis zu 5 m Tiefe) finden sich Spuren in abnehmender Konzentration. Voraussetzung ist, dass die Fließrichtung des Grundwassers vom Fluss weg und nicht zum Fluss hin verläuft.

 

Zusammenfassung:

-nur mäßig starker Abbau der untersuchten Stoffe, aber sehr unterschiedlich

-Selbstreinigungskraft der Flüsse ist begrenzt

-Sauerstoff und Kleinstlebewesen helfen

 

Daraus folgende mögliche Maßnahmen:

-beim Hersteller

Prüfen, welche Stoffe weiter produziert werden müssen bzw. welche Alternativen zur Verfügung stehen

-beim Verbraucher

bestimmte Stoffe nicht in die Toilette (in die Kanalisation) spülen

-in den Klärwerken

Einführung von weiteren Reinigungsstufen. Bestandteil der sog. 4. Reinigungsstufe ist u.a. das Ozonieren (Einblasen von Ozongas) und die Verwendung von Aktivkohlefiltern.

-in den Flüssen

Schaffung natürlicher Flussläufe