Hoppegarten soll summen

Trostlose Insektenfeindliche Grünfläche, Waldesruh
Trostlose Insektenfeindliche Grünfläche, Waldesruh

 

Klimawandel und Insektensterben sind Schlagworte, mit denen wir tagtäglich konfrontiert werden. Keine Nachrichtensendung, keine Debatte, kein Wahlprogramm, wo nicht auf die zunehmende Zerstörung unserer Lebensverhältnisse Bezug genommen wird. Wie, so stellt sich die Frage, können wir dem Umstand, dass inzwischen etwa Dreiviertel aller Insektenarten verschwunden sind, entgegenwirken. Die erfreuliche Nachricht: Die Arten sind (noch) nicht völlig ausgestorben - und Ja, wir können etwas tun!

 

Ein Mittwoch im Juni. Die Hitze bringt die Luft über der Fahrbahndecke in der Rudolf-Breitscheid-Straße zum Flimmern. Heute werden Temperaturen bis 38 Grad erwartet. Im Schatten wohlgemerkt! Wer kann, zieht sich in seine Behausungen zurück. Neben der Fahrbahn auf dem sogenannten Straßenbegleitgrün dagegen ist die Welt voller Leben. Ideales „Flugwetter“ für die meisten Insekten. Und ideale Bedingungen, denn die schmalen Flächen auf beiden Seiten der Fahrbahn wurden in diesem Jahr überhaupt noch nicht gemäht. Probleme mit der ausführenden Firma haben zu einem vertragslosen Zustand geführt. Bis zu 60 cm schießen die Kräuter in die Höhe. Die versammelte Verwandtschaft von Biene Maja ist entzückt. Und wir? - Schauen Sie doch bitte einmal genauer hin. Sonnenverbrannte Wiesen, wo immer die Grünflächen im Mai oder Juni gemäht und dann sich selbst überlassen wurden. Und buntes Treiben dort, wo man es unterlassen hat.

 

Was schön ist, so sagt man, das liegt im Auge des Betrachters. Das ist Menschen-Sicht. Für die uns umgebende Natur sind andere Dinge essentiell: Die Bedingungen für Wachstum und Fortpflanzung entscheiden über die Erhaltung der Art. Insekten sind wichtiger Bestandteil der Nahrungskette. Ohne tierisches Futter wird kein Meisenjunges flügge.

 

Landesweit gibt es vielfältige Aktivitäten zur Verbesserung der Umweltbedingungen. Blühstreifen an den Rändern von landwirtschaftlichen Flächen werden gefördert. Und jede Kommune und jeder Grundstückbesitzer kann ebenfalls etwas tun. In Hoppegarten wird derzeit ein Programm entwickelt, wo zunächst ausgewählte öffentliche Grünflächen insektenfreundlich entwickelt werden. Das bedeutet nicht, die Flächen völlig sich selbst zu überlassen. So muss eine Wiese nach beendetem Aufwuchs in der zweiten Jahreshälfte gemäht werden, damit auf Dauer die „Starken“ nicht die schwachwüchsigen Kräuter verdrängen. Das Programm „Hoppegarten summt“ ist längerfristig angelegt. Und wir beginnen ja nicht bei Null. In allen Kitas wird am Beispiel der dort von Ehrenamtlern gebauten und aufgestellten „Insektenhotels“ den Jüngsten gezeigt, welche Vielfalt an nützlichen Insekten es gibt. Darauf lässt sich aufbauen.

 

Versuchen wir umzudenken. Weg vom Bestreben, den eigenen Vorgarten, das eigene Dorf „clean“ zu halten. Sieht das tatsächlich schön aus? Oder ist es einfach nur bequem, wenn nichts mehr wächst.

 

Klaus Manthe

 

Insektenfreundliche Wildblumenwiese in der Rudolf-Breitscheid-Straße, Dahlwitz-Hoppegarten
Insektenfreundliche Wildblumenwiese in der Rudolf-Breitscheid-Straße, Dahlwitz-Hoppegarten

Artenvielfalt retten - Zukunft sichern

Brandenburger Naturschutzverbände starten Volksinitiative

Dass der Verlust unserer biologischen Vielfalt längst kein Nischenthema mehr ist, hat das Volksbegehren in Bayern Anfang des Jahres mit fast 1,8 Millionen Unterstützern eindrucksvoll gezeigt. Klar ist, dass z.B. die Masse der Flug-Insekten laut der Krefelder Studie innerhalb der letzten 25 Jahre selbst in Schutzgebieten um 75 Prozent abgenommen hat. Bei den Vögeln der Agrarlandschaft und den Amphibien sieht es ähnlich düster aus.

Die Brandenburger Umwelt- und Naturschutzvereine NABU, BUND, Naturfreunde, deren Jugendorganisationen, Grüne Liga sowie die Aurelia Stiftung als Initiatoren haben Mitte April 2019 einen Volksinitiative für mehr Artenvielfalt in Brandenburg gestartet. Wir wollen mit unserer Volksinitiative erreichen,

- dass in Naturschutzgebieten und FFH-Gebieten keine Pestizide eingesetzt werden dürfen,
- dass landeseigene Flächen ökologisch bewirtschaftet werden,
- dass es größere Pufferzonen um Gewässer gibt,
- dass Agrarsubventionen nicht nach Fläche, sondern nach umweltgerechtem Handeln ausgegeben werden,
- dass Kommunen ihre Flächen pestizidfrei bewirtschaften,
- dass es weniger Lichtverschmutzung
- und weniger Flächenverbrauch gibt.

Schwerpunkt ist dabei die Agrarförderpolitik, denn hier geht es um viel (Förder)Geld und hohe Flächenanteile. Doch ohne einen Wandel in der Landwirtschaftspolitik werden wir das Artensterben nicht aufhalten können. Dabei richtet sich unser Gesetzentwurf für mehr Artenvielfalt v.a. gegen die Landesregierung, die in den vergangenen Jahren nur unzureichend entsprechende Förderprogramme auf den Weg gebracht hat. Wir wollen erreichen, dass der Mehraufwand für Naturschutzmaßnahmen auf dem Acker entsprechend honoriert werden.

Unsere Forderungen haben wir in einen Gesetzestext fließen lassen, denn wir wollen, dass die Politik gezwungen ist, möglichst schnell konkrete Maßnahmen zu ergreifen und geben uns nicht mit weiteren Absichtserklären, Monitorings oder Beiräten zufrieden.

 


Naturlehrpfad Erpetal

In Hoppegarten gibt es einen Naturlehrpfad, der als Rundkurs zwischen den einstigen Mühlenstandorten Ravenstein und Heidemühle um das Naturschutzgebiet im Erpetal bei Waldesruh angelegt wurde.

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Beim Insektensommer zählen wir, was zählt

Beobachten Sie das Summen und Brummen in Ihrer Umgebung und werden Sie Teil unserer bundesweiten Meldeaktion für Insekten. Insektenfans können sie schon mal folgende Termine dick im Kalender anstreichen: In diesem Jahr findet der Insektensommer vom 31. Mai bis 9. Juni und vom 2. bis 11. August statt.. mehr →

Unser aktueller Tätigkeitsbericht

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NABU Hoppegarten Tätigkeitsbericht 2016 - 2019
Jahresbericht 16-19 final.pdf
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